Samstag, 15. März 2014

Wir sind umgezogen

Liebe Leser an dieser Stelle.
Leben mit Paul ist umgezogen. Hierher: www.heikeland.blogspot.com
Statt bisher der Erstgeborene steht jetzt die Mama im Titel. Alles andere bleibt gleich.
Vielleicht bis bald.


Freitag, 21. Februar 2014

Allein mit dreien.

Gestern hab ich hier das erste Mal das Abendprogramm allein gestaltet. Und was soll ich sagen: Es haben alle überlebt. Allerdings hatte eine/r immer schlechte Laune. Fing beim Abholen schon an. Neulich hab ich die Jungs schon mal allein abgeholt (bis dahin hatte ich immer Hilfe vom Papa, Freundin oder Babysitterin), mit dem Doppelkinderwagen. Anna in der Tragewanne und die beiden Jungs hab ich laufen lassen. Frei. Fataler Anfängerfehler. Wir müssen nur zwei Straßen um die Ecke vom Kindergarten, aber die eine Straße ist eine Seitenstraße, die keinen Bürgersteig hat und wo man auf der Straße laufen muss. An einer Stelle lief Moritz vorne fröhlich kreischend weg und ich sollte ihn einfangen und Paul legte sich gerade aus Protest mitten auf die Straße. Ich hatte den Wagen an der rechten Hand und musste mal eben schnell entscheiden, welches Kind ich rette. Den Wagen zur Seite schieben, Moritz hinterherrennen oder Paul von der Straße rollen. Es kam nämlich ein Auto. Mit schätzungsweise 3 km/h kam es angerauscht. Aber trotzdem. Auto is härter als Körper. Im Gespräch mit der Oma kam dann raus: Na die müssen halt mit einer Hand am Kinderwagen laufen, so einfach ist das. Zum Glück gibt es Omas. Ich für meinen Teil hätte gern so Leinen manchmal.

Gestern fuhr einer im Wagen, einen Sitzplatz gibt es ja, und der andere lief an der Hand. Wenn sich wegen des Freiheitsentzugs schlechte Laune beim Handläufer einstellte, wurde er kurzerhand ausgetauscht. Das klappte gut, produzierte aber schlechte Laune bei Einzelnen. Anna war davon weniger betroffen und fröhlich. 
Zuhause angekommen hatte Anna schlechte Laune und die anderen beiden verlangten, dass ich die Eisenbahn aufbaue. Der Nachmittag zog sich dann mit viel geworfenem Spielzeug (Was mache ich eigentlich, liebe Omas, wenn ich gerade stille, einer wirft mit Holzschienen durch die Gegend und reagiert auf Unterlassungsaufforderungen so gar nicht? Drohungen ausstoßen? Futtern unterbrechen? Weggucken? Mit Schienen zurückwerfen?) und abwechselnden Unmutsäußerungen über das Programm bei den Jungs und Anna. Die schlief nämlich auch nicht wieder ein und protestierte im Grunde den ganzen Nachmittag. 
Zum Baden quetschten wir uns alle ins Badezimmer, die Kleene in der Wippe, die Jungs in der Wanne und ich aufm Klodeckel. Anna fiel in einen tiefen Schlaf und so blieb sie danach einfach in der Wippe und ich ging zum Vorlesen mit den Jungs ins Kinderzimmer. Dann noch Kuscheln, Einschlaflied und normalerweise hätte ich mich dann mit hinlegen müssen, bis sie einschlafen (das machen wir ja immernoch jeden Abend und das verlangten die Jungs auch.) Aber da war Anna von ihrem doch nicht so tiefen Schlaf schon wieder aufgewacht. Und so wechselte die schlechte Laune ein letztes Mal von Anna auf die Jungs und bis alle zufrieden waren, war es 20.30 Uhr. Allerdings kein schlechter Schnitt, wie ich finde. Die Dame musste allerdings gestern auf ein Bad verzichten und mit Staubwischen vorlieb nehmen. Sonst hätte ich wohl dann schlechte Laune bekommen und das galt es zu verhindern. Ich bin hier schließlich für die Launen aller verantwortlich.

Montag, 10. Februar 2014

Faszination Schleusentor

Ich habe in dieser, meiner jungen Familie ja schon einiges an Wunderlichkeiten erlebt, was die Vorlieben meiner Kinder angeht - bisher vor allem die beiden Jungs. Unser Neuzuwachs verhält sich, was das angeht, noch sehr wie eine Anna-Normalverbraucherin. Zum Beispiel die Geschichte mit der Sardellenpaste, an die erinnere ich mich immer wieder gern. 
Zur Zeit haben wir hier eine neue Vorliebe, die beide Jungen ergriffen hat und die, wenn man es sich so recht überlegt, auch gar nicht so verwunderlich ist, wenn man bedenkt, dass Paul monate- ja beinahe jahrelang fanatisch von Türen fasziniert war. Er hat schon Türen auf und zu gemacht, da lag er noch auf dem Bauch und robbte durch die Gegend. Auch auf Knien hat ihm das immer Spaß gemacht und als er endlich laufen konnte, lief er grundsätzlich nur bis zur nächsten Tür. Irgendwann ging die Faszination auf Schlüssel über und so dauerte es keine drei Wochen, bis man uns im Kindergarten darüber informierte, dass Paul den Generalschlüssel der Erzieherin versteckt hat und man ihn derzeit nicht wiederfände. Irgendwann hat Paul sich wahrscheinlich erbarmt und ihn dann doch wieder aus seinem Versteck geholt, denn eine Rechnung für den Ersatzschlüssel ist seitdem nicht ins Haus geflattert. 
Auch die Schlüsselfaszination hat sich mittlerweile etwas gelegt, denn der Junge hat nun eine ganz neue Dimension von Tür für sich entdeckt: das Schleusentor. Dazu muss man wissen, dass der Papa seit einigen Monaten mit den Jungen im Jogginganhänger laufen geht und regelmäßig an der hiesigen Schleuse vorbeikommt. Irgendwann wollte es der Zufall so, dass gerade ein großer Touridampfer geschleust wurde und ab da war es um die Jungen geschehen. An einer Schleuse kommt man nun nicht mehr vorbei, ohne anzuhalten und wenn ein Schiff am Horizont erscheint, kann sich das Anhalten schon mal eine halbe Stunde hinziehen. Aber das ist erst der Anfang. Mittlerweile dreht sich hier alles ums Schleusentor. Paul baut Schleusentore mit Klappbüchern. Er kuckt Schleusentorvideos auf Youtube: Von den nahezu 10.000 Abrufen des Videos "Ein Tag an der Schleuse Schwabenheim im Zeitraffer" waren wir sicher 1/20 (das sind immerhin 500 für die, denen das Rechnen schwerfällt - ich hab dafür den Taschenrechner gebraucht wegen standby!). Und gegessen wird hier auch nur noch mit Schleusentoren. Dazu werden beide Hände vor den Mund gehalten und wenn Müsli rein soll, muss erst um Öffnung des Schleusentores gebeten werden. Dazu ist es mitunter auch wichtig zu unterscheiden zwischen oberem und unterem Schleusentor. Die Schleuse Schwabenheim ist im Übrigen auch der einzige Weg, Paul aufs Töpfchen zu bewegen (ja wir arbeiten immernoch daran!), aber offenbar sehr erfolgreich. Schleuse im Zeitraffer auf dem Ipad und endlich öffnen sich auch bei dem Jungen alle Schleusentore an der richtigen Stelle. Und weil diese Schleusentornummer immer für ein bisschen Aufmerksamkeit gut ist, macht Moritz einfach mit. Nur die Frauen in dieser Familie sind in dieser Hinsicht etwas zurückhaltender. Und ich persönlich bin schon gespannt, was als nächstes kommt.

Sonntag, 9. Februar 2014

Auf standby

Meine Blogpostfrequenz geht mal wieder dramatisch zurück. Das hat zwei Gründe: Der erste liegt auf der Hand - die Blogpostfrequenz verhält sich direkt proportional zur Still- und Schaukelfrequenz unserer kleinsten Mitbewohnerin. Je mehr still desto weniger blog. So einfach ist das. Und auch wenn wir seit ein paar Tagen nur noch alle zwei bis drei Stunden stillen, so ist das immernoch meine Hauptaufgabe, denn die Kleine plagt sich, genau wie die anderen beiden, mit zurückfließender Milch, großem Dauerhunger und Pupsphasen, in denen sie nur Hüpfen auf dem Pezziball oder durch unsere Vibratorwippe beruhigt werden kann. Wenn sich eine Anschaffung gelohnt hat, dann diese. Physiotherapeutenkritik an Babywippen hin oder her. 
Der zweite Grund ist etwas indirekter. Mein Gehirn ist zur Zeit auf standby. Wenn ich mal einen Moment für mich habe, dann verwende ich ihn, um mich zu waschen oder was Essbares in mich hineinzustopfen. Mein Gehirn brauche ich dabei nicht. Ich brauche es auch nicht, um Milch zu produzieren und genausowenig, um das Kind in den Schlaf zu schaukeln. Manchmal merke ich, dass ich es anschalten muss, weil ich sonst die Buntwäsche mit Bleichmittel ruiniere, das Honigglas in den Kühlschrank stelle oder mir mit Zahnpasta die Hände eincreme. Aber das meiste krieg ich gebacken, ohne da oben einzuschalten. Und so lasse ich es lieber aus, denn so kann ich besser damit umgehen, dass ich 24 Stunden am Tag rumsitze, rumliege oder rumhänge und meine Hauptaufgabe in der Milchproduktion und -bereitstellung besteht. Diese Aufgabe erfülle ich inzwischen allerdings mit Bravour. 
Das Kindlein wiegt derweil 4500g, hat also, nach anfänglichem Verlust von 300g, pro Woche über 200g zugenommen. Ein Mastschwein muss ein halbes Kilo pro Tag zunehmen hat der Opa heute Morgen am Telefon gemeint. Davon sind wir weit entfernt, in vielerlei Hinsicht. Es macht mir zwar hier auch niemand Waagendruck, wie bei Paul und Moritz (sh. hier), aber die Kundenzufriedenheit ist ein wichtiges Kriterium bei meiner Arbeit. Und die messe ich in Speckfalten und Schlafeinheiten. Bei den Speckfalten sind wir auf dem richtigen Weg, an den Schlafeinheiten arbeiten wir noch. Für beides bleibe ich noch eine Weile auf standby.

Mittwoch, 29. Januar 2014

Romantisch is anders - Stillen die dritte

Achtung Stillbericht: Schon wieder explizit.

Vor dreizehn Tagen begann sie, meine dritte Stillbeziehung in diesem, meinem Frauenleben und da man in Beziehungen offen und ehrlich miteinander umgehen sollte, packe ich heute mal die ganze Wahrheit auf den Tisch. Die ist nämlich nicht immer nur schön. 
Tag 1 unserer Beziehung: Anna trinkt sofort nach Geburt ne halbe Stunde rum und schläft danach fröhlich und zufrieden ein. Für 12 Stunden. Die ersten 5-6 Stunden bekomme ich mein Kind gedanklich noch so zwei bis dreimal und liege deswegen mehr oder weniger unentspannt im Klinikbett rum. Die zweite Hälfte der 12 Stunden verbringe ich mit dem Gedanken daran, dass sie bestimmt jeden Moment aufwacht und es jetzt keinen Sinn mehr macht einzuschlafen. 
Tag 2: Anna wacht auf und fängt an nach der Brust zu verlangen. Und sie verlangt weiter. Erst vierstündlich, dann dreistündlich, dann zweistündlich, zum Schluss halbstündlich. Sie hat innerhalb eines Tages fast 300 g abgenommen und hat sich vorgenommen, das so schnell wie möglich wieder reinzuholen. Mein Körper verlangt nach Schlaf (die erste Nacht war komplett schlaflos) und nach etwas weniger Nuckelei, aber alles ist so butterweich, weil mein Körper voll mit Endorphinen und anderen Schweinereien ist, die die Schmerzen der Geburt und auch alles andere irgendwie in Watte erscheinen lassen. In der Nacht sinkt der Spiegel und ich schlafe wieder nicht, weil sich jede Nachwehe so anfühlt, als würde ich noch ein Kind bekommen. Und ich habe sie halbstündlich, weil mein Kind so fleißig an der Brust trinkt. Da der Milcheinschuss noch auf sich warten lässt, sind wir beide unzufrieden. Und weil 24-h-Rooming-In die Mutter-Kind-Beziehung fördert, muss ich darum betteln, mein Kind zwei Stunden abgeben zu dürfen, um nur mal kurz schlafen zu können. Nur mal kurz. Nur mal ganz kurz, bitte. "Aber nur, wenn sie brav ist!"
Tag 3: Die Nachwehen sind immernoch grauselig, ich habe anderthalb Stunden geschlafen und die Mutter-Kind-Beziehung wird durch intensives Dauernuckeln weiter gefördert. Die Brustwarzen werden wund und jetzt macht es richtig Spaß, das Kind anzulegen. Wir machen fleißig weiter. Ich bekomme allerlei Ratschläge und beiße die Zähne zusammen, während das Kind die Brust zusammenbeißt, in der Hoffnung, es möge doch endlich richtige Milch fließen. Und zwar in Strömen bitte, denn 'wozu arbeite ich denn hier die ganze Zeit?'
Tag 4: Milcheinschuss. Schwellung der Lymphdrüsen unterm Arm auf Tischtennisballgröße. Schwellung des Holzes vor der Hütte. Milchproduktion ist jetzt angelaufen und wir haben zwei Probleme. Stillen schmerzt, weil die Brustwarzen wund sind, richtig anlegen ist noch schwieriger, weil die Brüste prall wie Fußbälle sind. Fertigung und Bereitstellung laufen jetzt. Auslieferung weniger. Die plötzliche Überproduktion kann mein Körper nicht behandeln und weiß noch nicht, wie er sich von der Milch befreien soll. Deswegen immernoch alles sehr schmerzhaft.
Tag 5-7: Auslieferung läuft an. Kind läuft dauernd über. Mehr Angebot als Nachfrage. Milch aus Ohren und Nase. Kind trinkt. Kind spuckt. Kind will wieder trinken. Wir stillen zwischen 14-18 Mal am Tag (Ich führe Protokoll, weil mein Hirn nicht mehr in der Lage ist rechts und links zu unterscheiden). Kind schläft derweil nur auf Bäuchen, in Wippen oder auf dem Arm. Im eigenen Bett gar nicht. In unserem Bett eine halbe Stunde. Auf dem Rücken liegen scheint ein Problem zu sein. Milch fließt immer wieder oben raus und soll dann wieder nachgefüllt werden. Dazu Dauerpupserei, von was auch immer. Brustwarzen immernoch wund. 
Tag 8-9: Kind trinkt. Zwischen 14-18 Mal am Tag. Ein längeres Schläfchen von 3-4 Stunden, meistens am Nachmittag. Ansonsten wie bisher, Brustwarzen auf dem Weg der Besserung.
Tag 10: Mama steckt sich - als letzte in der Familie - mit Magen-Darm-Virus an, fühlt sich grippig und verlässt das Bett nun gar nicht mehr. Essen fällt aus. Die letzten zwei Zusatzkilos weg. Kind verschläft den ganzen Tag. Wahrscheinlich durch Mangel an Blähungen, weil Mama nix gegessen hat. Eine Methode, die leider keine Zukunft hat, liebe Anna.
Tag 11: Aufgrund der geringen Nachfrage kommt es zum Milchstau. Entzündung, Grippegefühl und Schmerzen in der Brust. Ab jetzt zusätzlich zum Stillen diverse therapeutische Maßnahmen, Quark, Retterspitz, warme Kompressen, Eibischwurzelbäder usw. Die Zeit zwischen den Mahlzeiten verbringe ich mit Maßnahmen. Hurra!
Tag 12: Wie Tag 11.

Heute ist Tag 13 und es ist Besserung in Sicht. Allerdings ist die Kleine auch wieder stillsüchtig und unruhig. Da habe ich heute im Internet gelesen, dass nach 14 Tagen durchaus der erste Wachstumsschub beginnen kann und die Kleinen dann mehr stillen wollen als sonst. Ich stille nach Bedarf. Bedarf herrschte hier in den letzten 24 Stunden genau vierzehn Mal, sagt mir meine Still-App. Wenn wir das jetzt hochschrauben, steh ich vor einem Problem. 
Diesem Beginn einer Stillbeziehung, den ich nun zum dritten Mal in leicht variierter Form erlebe, fehlt es - man möge es mir verzeihen - leider jeglicher Romantik. Kuscheln mit dem Baby - ja. Gemeinsam in einem Bett schlafen - ja. Beim Stillen zusammen wegdösen - gerne. Aber wer das Stillen nur mit diesen romantischen Bildern verkauft, der glaubt auch, dass der Hochzeitstag der schönste Tag im Leben einer Frau ist. Stillen ist verflixt viel Arbeit. Und ich bin heilfroh, dass ich in einem Land lebe, in dem ich dafür Geld bekomme. Denn wenn ich in 4 Wochen wieder arbeiten gehen müsste, wäre diese Beziehung mit Sicherheit ziemlich schnell beendet.
Liebe Anna, von jetzt an kann es nur noch bergauf gehen. Wäre doch gelacht, wenn wir dich nicht irgendwie gestillt kriegen.