Liebe Leser an dieser Stelle.
Leben mit Paul ist umgezogen. Hierher: www.heikeland.blogspot.com
Statt bisher der Erstgeborene steht jetzt die Mama im Titel. Alles andere bleibt gleich.
Vielleicht bis bald.
Herzlich Willkommen im Leben von Paul, ein ungarisch-deutsches Novemberkind und Moritz, seinem 13 Monate jüngeren Bruder. Isten hozott Paul és Moritz, egy novemberi magyar-német kisfiú és 13 hónappal fiatalabb tesójának életében.
Samstag, 15. März 2014
Freitag, 21. Februar 2014
Allein mit dreien.
Gestern hab ich hier das erste Mal das Abendprogramm allein gestaltet. Und was soll ich sagen: Es haben alle überlebt. Allerdings hatte eine/r immer schlechte Laune. Fing beim Abholen schon an. Neulich hab ich die Jungs schon mal allein abgeholt (bis dahin hatte ich immer Hilfe vom Papa, Freundin oder Babysitterin), mit dem Doppelkinderwagen. Anna in der Tragewanne und die beiden Jungs hab ich laufen lassen. Frei. Fataler Anfängerfehler. Wir müssen nur zwei Straßen um die Ecke vom Kindergarten, aber die eine Straße ist eine Seitenstraße, die keinen Bürgersteig hat und wo man auf der Straße laufen muss. An einer Stelle lief Moritz vorne fröhlich kreischend weg und ich sollte ihn einfangen und Paul legte sich gerade aus Protest mitten auf die Straße. Ich hatte den Wagen an der rechten Hand und musste mal eben schnell entscheiden, welches Kind ich rette. Den Wagen zur Seite schieben, Moritz hinterherrennen oder Paul von der Straße rollen. Es kam nämlich ein Auto. Mit schätzungsweise 3 km/h kam es angerauscht. Aber trotzdem. Auto is härter als Körper. Im Gespräch mit der Oma kam dann raus: Na die müssen halt mit einer Hand am Kinderwagen laufen, so einfach ist das. Zum Glück gibt es Omas. Ich für meinen Teil hätte gern so Leinen manchmal.
Gestern fuhr einer im Wagen, einen Sitzplatz gibt es ja, und der andere lief an der Hand. Wenn sich wegen des Freiheitsentzugs schlechte Laune beim Handläufer einstellte, wurde er kurzerhand ausgetauscht. Das klappte gut, produzierte aber schlechte Laune bei Einzelnen. Anna war davon weniger betroffen und fröhlich.
Zuhause angekommen hatte Anna schlechte Laune und die anderen beiden verlangten, dass ich die Eisenbahn aufbaue. Der Nachmittag zog sich dann mit viel geworfenem Spielzeug (Was mache ich eigentlich, liebe Omas, wenn ich gerade stille, einer wirft mit Holzschienen durch die Gegend und reagiert auf Unterlassungsaufforderungen so gar nicht? Drohungen ausstoßen? Futtern unterbrechen? Weggucken? Mit Schienen zurückwerfen?) und abwechselnden Unmutsäußerungen über das Programm bei den Jungs und Anna. Die schlief nämlich auch nicht wieder ein und protestierte im Grunde den ganzen Nachmittag.
Zum Baden quetschten wir uns alle ins Badezimmer, die Kleene in der Wippe, die Jungs in der Wanne und ich aufm Klodeckel. Anna fiel in einen tiefen Schlaf und so blieb sie danach einfach in der Wippe und ich ging zum Vorlesen mit den Jungs ins Kinderzimmer. Dann noch Kuscheln, Einschlaflied und normalerweise hätte ich mich dann mit hinlegen müssen, bis sie einschlafen (das machen wir ja immernoch jeden Abend und das verlangten die Jungs auch.) Aber da war Anna von ihrem doch nicht so tiefen Schlaf schon wieder aufgewacht. Und so wechselte die schlechte Laune ein letztes Mal von Anna auf die Jungs und bis alle zufrieden waren, war es 20.30 Uhr. Allerdings kein schlechter Schnitt, wie ich finde. Die Dame musste allerdings gestern auf ein Bad verzichten und mit Staubwischen vorlieb nehmen. Sonst hätte ich wohl dann schlechte Laune bekommen und das galt es zu verhindern. Ich bin hier schließlich für die Launen aller verantwortlich.
Montag, 10. Februar 2014
Faszination Schleusentor
Ich habe in dieser, meiner jungen Familie ja schon einiges an Wunderlichkeiten erlebt, was die Vorlieben meiner Kinder angeht - bisher vor allem die beiden Jungs. Unser Neuzuwachs verhält sich, was das angeht, noch sehr wie eine Anna-Normalverbraucherin. Zum Beispiel die Geschichte mit der Sardellenpaste, an die erinnere ich mich immer wieder gern.
Zur Zeit haben wir hier eine neue Vorliebe, die beide Jungen ergriffen hat und die, wenn man es sich so recht überlegt, auch gar nicht so verwunderlich ist, wenn man bedenkt, dass Paul monate- ja beinahe jahrelang fanatisch von Türen fasziniert war. Er hat schon Türen auf und zu gemacht, da lag er noch auf dem Bauch und robbte durch die Gegend. Auch auf Knien hat ihm das immer Spaß gemacht und als er endlich laufen konnte, lief er grundsätzlich nur bis zur nächsten Tür. Irgendwann ging die Faszination auf Schlüssel über und so dauerte es keine drei Wochen, bis man uns im Kindergarten darüber informierte, dass Paul den Generalschlüssel der Erzieherin versteckt hat und man ihn derzeit nicht wiederfände. Irgendwann hat Paul sich wahrscheinlich erbarmt und ihn dann doch wieder aus seinem Versteck geholt, denn eine Rechnung für den Ersatzschlüssel ist seitdem nicht ins Haus geflattert.
Auch die Schlüsselfaszination hat sich mittlerweile etwas gelegt, denn der Junge hat nun eine ganz neue Dimension von Tür für sich entdeckt: das Schleusentor. Dazu muss man wissen, dass der Papa seit einigen Monaten mit den Jungen im Jogginganhänger laufen geht und regelmäßig an der hiesigen Schleuse vorbeikommt. Irgendwann wollte es der Zufall so, dass gerade ein großer Touridampfer geschleust wurde und ab da war es um die Jungen geschehen. An einer Schleuse kommt man nun nicht mehr vorbei, ohne anzuhalten und wenn ein Schiff am Horizont erscheint, kann sich das Anhalten schon mal eine halbe Stunde hinziehen. Aber das ist erst der Anfang. Mittlerweile dreht sich hier alles ums Schleusentor. Paul baut Schleusentore mit Klappbüchern. Er kuckt Schleusentorvideos auf Youtube: Von den nahezu 10.000 Abrufen des Videos "Ein Tag an der Schleuse Schwabenheim im Zeitraffer" waren wir sicher 1/20 (das sind immerhin 500 für die, denen das Rechnen schwerfällt - ich hab dafür den Taschenrechner gebraucht wegen standby!). Und gegessen wird hier auch nur noch mit Schleusentoren. Dazu werden beide Hände vor den Mund gehalten und wenn Müsli rein soll, muss erst um Öffnung des Schleusentores gebeten werden. Dazu ist es mitunter auch wichtig zu unterscheiden zwischen oberem und unterem Schleusentor. Die Schleuse Schwabenheim ist im Übrigen auch der einzige Weg, Paul aufs Töpfchen zu bewegen (ja wir arbeiten immernoch daran!), aber offenbar sehr erfolgreich. Schleuse im Zeitraffer auf dem Ipad und endlich öffnen sich auch bei dem Jungen alle Schleusentore an der richtigen Stelle. Und weil diese Schleusentornummer immer für ein bisschen Aufmerksamkeit gut ist, macht Moritz einfach mit. Nur die Frauen in dieser Familie sind in dieser Hinsicht etwas zurückhaltender. Und ich persönlich bin schon gespannt, was als nächstes kommt.
Sonntag, 9. Februar 2014
Auf standby
Meine Blogpostfrequenz geht mal wieder dramatisch zurück. Das hat zwei Gründe: Der erste liegt auf der Hand - die Blogpostfrequenz verhält sich direkt proportional zur Still- und Schaukelfrequenz unserer kleinsten Mitbewohnerin. Je mehr still desto weniger blog. So einfach ist das. Und auch wenn wir seit ein paar Tagen nur noch alle zwei bis drei Stunden stillen, so ist das immernoch meine Hauptaufgabe, denn die Kleine plagt sich, genau wie die anderen beiden, mit zurückfließender Milch, großem Dauerhunger und Pupsphasen, in denen sie nur Hüpfen auf dem Pezziball oder durch unsere Vibratorwippe beruhigt werden kann. Wenn sich eine Anschaffung gelohnt hat, dann diese. Physiotherapeutenkritik an Babywippen hin oder her.
Der zweite Grund ist etwas indirekter. Mein Gehirn ist zur Zeit auf standby. Wenn ich mal einen Moment für mich habe, dann verwende ich ihn, um mich zu waschen oder was Essbares in mich hineinzustopfen. Mein Gehirn brauche ich dabei nicht. Ich brauche es auch nicht, um Milch zu produzieren und genausowenig, um das Kind in den Schlaf zu schaukeln. Manchmal merke ich, dass ich es anschalten muss, weil ich sonst die Buntwäsche mit Bleichmittel ruiniere, das Honigglas in den Kühlschrank stelle oder mir mit Zahnpasta die Hände eincreme. Aber das meiste krieg ich gebacken, ohne da oben einzuschalten. Und so lasse ich es lieber aus, denn so kann ich besser damit umgehen, dass ich 24 Stunden am Tag rumsitze, rumliege oder rumhänge und meine Hauptaufgabe in der Milchproduktion und -bereitstellung besteht. Diese Aufgabe erfülle ich inzwischen allerdings mit Bravour.
Das Kindlein wiegt derweil 4500g, hat also, nach anfänglichem Verlust von 300g, pro Woche über 200g zugenommen. Ein Mastschwein muss ein halbes Kilo pro Tag zunehmen hat der Opa heute Morgen am Telefon gemeint. Davon sind wir weit entfernt, in vielerlei Hinsicht. Es macht mir zwar hier auch niemand Waagendruck, wie bei Paul und Moritz (sh. hier), aber die Kundenzufriedenheit ist ein wichtiges Kriterium bei meiner Arbeit. Und die messe ich in Speckfalten und Schlafeinheiten. Bei den Speckfalten sind wir auf dem richtigen Weg, an den Schlafeinheiten arbeiten wir noch. Für beides bleibe ich noch eine Weile auf standby.
Mittwoch, 29. Januar 2014
Romantisch is anders - Stillen die dritte
Achtung Stillbericht: Schon wieder explizit.
Vor dreizehn Tagen begann sie, meine dritte Stillbeziehung in diesem, meinem Frauenleben und da man in Beziehungen offen und ehrlich miteinander umgehen sollte, packe ich heute mal die ganze Wahrheit auf den Tisch. Die ist nämlich nicht immer nur schön.
Vor dreizehn Tagen begann sie, meine dritte Stillbeziehung in diesem, meinem Frauenleben und da man in Beziehungen offen und ehrlich miteinander umgehen sollte, packe ich heute mal die ganze Wahrheit auf den Tisch. Die ist nämlich nicht immer nur schön.
Tag 1 unserer Beziehung: Anna trinkt sofort nach Geburt ne halbe Stunde rum und schläft danach fröhlich und zufrieden ein. Für 12 Stunden. Die ersten 5-6 Stunden bekomme ich mein Kind gedanklich noch so zwei bis dreimal und liege deswegen mehr oder weniger unentspannt im Klinikbett rum. Die zweite Hälfte der 12 Stunden verbringe ich mit dem Gedanken daran, dass sie bestimmt jeden Moment aufwacht und es jetzt keinen Sinn mehr macht einzuschlafen.
Tag 2: Anna wacht auf und fängt an nach der Brust zu verlangen. Und sie verlangt weiter. Erst vierstündlich, dann dreistündlich, dann zweistündlich, zum Schluss halbstündlich. Sie hat innerhalb eines Tages fast 300 g abgenommen und hat sich vorgenommen, das so schnell wie möglich wieder reinzuholen. Mein Körper verlangt nach Schlaf (die erste Nacht war komplett schlaflos) und nach etwas weniger Nuckelei, aber alles ist so butterweich, weil mein Körper voll mit Endorphinen und anderen Schweinereien ist, die die Schmerzen der Geburt und auch alles andere irgendwie in Watte erscheinen lassen. In der Nacht sinkt der Spiegel und ich schlafe wieder nicht, weil sich jede Nachwehe so anfühlt, als würde ich noch ein Kind bekommen. Und ich habe sie halbstündlich, weil mein Kind so fleißig an der Brust trinkt. Da der Milcheinschuss noch auf sich warten lässt, sind wir beide unzufrieden. Und weil 24-h-Rooming-In die Mutter-Kind-Beziehung fördert, muss ich darum betteln, mein Kind zwei Stunden abgeben zu dürfen, um nur mal kurz schlafen zu können. Nur mal kurz. Nur mal ganz kurz, bitte. "Aber nur, wenn sie brav ist!"
Tag 3: Die Nachwehen sind immernoch grauselig, ich habe anderthalb Stunden geschlafen und die Mutter-Kind-Beziehung wird durch intensives Dauernuckeln weiter gefördert. Die Brustwarzen werden wund und jetzt macht es richtig Spaß, das Kind anzulegen. Wir machen fleißig weiter. Ich bekomme allerlei Ratschläge und beiße die Zähne zusammen, während das Kind die Brust zusammenbeißt, in der Hoffnung, es möge doch endlich richtige Milch fließen. Und zwar in Strömen bitte, denn 'wozu arbeite ich denn hier die ganze Zeit?'
Tag 4: Milcheinschuss. Schwellung der Lymphdrüsen unterm Arm auf Tischtennisballgröße. Schwellung des Holzes vor der Hütte. Milchproduktion ist jetzt angelaufen und wir haben zwei Probleme. Stillen schmerzt, weil die Brustwarzen wund sind, richtig anlegen ist noch schwieriger, weil die Brüste prall wie Fußbälle sind. Fertigung und Bereitstellung laufen jetzt. Auslieferung weniger. Die plötzliche Überproduktion kann mein Körper nicht behandeln und weiß noch nicht, wie er sich von der Milch befreien soll. Deswegen immernoch alles sehr schmerzhaft.
Tag 5-7: Auslieferung läuft an. Kind läuft dauernd über. Mehr Angebot als Nachfrage. Milch aus Ohren und Nase. Kind trinkt. Kind spuckt. Kind will wieder trinken. Wir stillen zwischen 14-18 Mal am Tag (Ich führe Protokoll, weil mein Hirn nicht mehr in der Lage ist rechts und links zu unterscheiden). Kind schläft derweil nur auf Bäuchen, in Wippen oder auf dem Arm. Im eigenen Bett gar nicht. In unserem Bett eine halbe Stunde. Auf dem Rücken liegen scheint ein Problem zu sein. Milch fließt immer wieder oben raus und soll dann wieder nachgefüllt werden. Dazu Dauerpupserei, von was auch immer. Brustwarzen immernoch wund.
Tag 8-9: Kind trinkt. Zwischen 14-18 Mal am Tag. Ein längeres Schläfchen von 3-4 Stunden, meistens am Nachmittag. Ansonsten wie bisher, Brustwarzen auf dem Weg der Besserung.
Tag 10: Mama steckt sich - als letzte in der Familie - mit Magen-Darm-Virus an, fühlt sich grippig und verlässt das Bett nun gar nicht mehr. Essen fällt aus. Die letzten zwei Zusatzkilos weg. Kind verschläft den ganzen Tag. Wahrscheinlich durch Mangel an Blähungen, weil Mama nix gegessen hat. Eine Methode, die leider keine Zukunft hat, liebe Anna.
Tag 11: Aufgrund der geringen Nachfrage kommt es zum Milchstau. Entzündung, Grippegefühl und Schmerzen in der Brust. Ab jetzt zusätzlich zum Stillen diverse therapeutische Maßnahmen, Quark, Retterspitz, warme Kompressen, Eibischwurzelbäder usw. Die Zeit zwischen den Mahlzeiten verbringe ich mit Maßnahmen. Hurra!
Tag 12: Wie Tag 11.
Heute ist Tag 13 und es ist Besserung in Sicht. Allerdings ist die Kleine auch wieder stillsüchtig und unruhig. Da habe ich heute im Internet gelesen, dass nach 14 Tagen durchaus der erste Wachstumsschub beginnen kann und die Kleinen dann mehr stillen wollen als sonst. Ich stille nach Bedarf. Bedarf herrschte hier in den letzten 24 Stunden genau vierzehn Mal, sagt mir meine Still-App. Wenn wir das jetzt hochschrauben, steh ich vor einem Problem.
Diesem Beginn einer Stillbeziehung, den ich nun zum dritten Mal in leicht variierter Form erlebe, fehlt es - man möge es mir verzeihen - leider jeglicher Romantik. Kuscheln mit dem Baby - ja. Gemeinsam in einem Bett schlafen - ja. Beim Stillen zusammen wegdösen - gerne. Aber wer das Stillen nur mit diesen romantischen Bildern verkauft, der glaubt auch, dass der Hochzeitstag der schönste Tag im Leben einer Frau ist. Stillen ist verflixt viel Arbeit. Und ich bin heilfroh, dass ich in einem Land lebe, in dem ich dafür Geld bekomme. Denn wenn ich in 4 Wochen wieder arbeiten gehen müsste, wäre diese Beziehung mit Sicherheit ziemlich schnell beendet.
Liebe Anna, von jetzt an kann es nur noch bergauf gehen. Wäre doch gelacht, wenn wir dich nicht irgendwie gestillt kriegen.
Dienstag, 21. Januar 2014
Drei und zwei macht fünf
Spoiler-Alarm: Achtung Geburtsbericht. Wenig explizit.
Seit 16.1.2014, 16 Uhr und 6 Minuten sind wir hier nun endlich zu fünft. Drei Männer, zwei Frauen, fast ausgeglichen sage ich, leichtes Ungleichgewicht, sagt der Papa hier (werd ich so schnell nicht vergessen, den Spruch: "Es braucht mehr Männer, um dich auszugleichen!").
Die Herstellung dieser jetzigen Fünferkonstellation - ausgeglichen hin oder her - war nicht leicht, mal abgesehen vom ganz ursprünglichen Akt. Zwei Krippenkinder, eine neue Stadt, ein neuer Job, eine neue Kultur (wir lernen sie lieben, die Bayern) und ganz viele neue Herausforderungen plus eine Schwangerschaft, die mal wieder einfach nicht enden wollte. Paul wurde am ET+9 herausgeschubst, Moritz ET+5 und Anna, bei dir waren wir geduldig, wir haben bis ET+11 gewartet und dann war sie auf einen Schlag vorbei, die Geduld.
Am 15. Januar ging ich morgens zur x-ten Vorsorgeuntersuchung, starrte auf das x-te wehenfreie CTG und das x-te Ultraschallbild, das besagte, alles wäre wunderbar in Ordnung und ich sagte zur Frauenärztin: Gute Frau, bitte lassen Sie uns dieses Kind rausschubsen - es wird nicht kommen, ohne Aufforderung. Und so gingen wir am 16. Januar zum dritten Mal in unserem Familienleben zum geplanten Spontangeburtstermin. Ich war mir sicher, dieser Körper würde keine überraschenden nächtlichen Wehen mehr produzieren und ich war fest davon überzeugt, es bräuchte nur einen kleinen Schubser und dann würde sie schon kommen, die kleine Anna. Und ich hatte Recht.
Am Morgen in der Klinik angekommen, wollten sie uns wieder wegschicken, der Kreißsaal sei so voll und ich wäre kein dringender Fall, ich solle doch lieber noch ein bisschen geduldig sein. Aber ich drängelte weiter und bestand auf meinem Schubser. Um 10.30 Uhr bekam ich Gel und das y-ste CTG. Ich bekam ein Zimmer und zwei Essensgutscheine und wir aßen zusammen Mittag in der Kantine. Currywurst mit Pommes für den Papa und Hackbraten (pfui) mit Kartoffelbrei für die Mama. Anschließend machten wir unser letztes CTG um 14 Uhr. Die Hebamme schickte uns danach wieder aufs Zimmer und sagte, wir sollen um 16 Uhr für eine zweite Lage Gel zurück in den Kreißsaal kommen, die Wehen seien bisher harmlos. Um 14.30 Uhr fing es dann an schmerzhaft zu werden. Um 15 Uhr wurde es so schmerzhaft, dass ich lieber im Kreißsaal sein wollte, vor allem, weil mir meine Zimmernachbarin, die ihr Kind schon hatte und ohne Unterlass euphorisch von ihrer Geburt berichtete voll auf die Nerven ging. Wir gingen also zurück zum Kreißsaal und auf dem Flur wurden die Wehen immer stärker. Für jede Wehe musste ich stehen bleiben und verabschiedete mich jedes Mal ein bisschen mehr von der Außenwelt. Ich kam mir blöd dabei vor und hielt mich für furchtbar weich, weil ich die Schmerzen so plötzlich so unerträglich fand, aber je mehr Wehen ich hatte, desto hilfloser fühlte ich mich auf Treppe und Flur. Mit einer meiner letzten Eröffnungswehen schickten mich die Hebammen in den Wintergarten, um auf den Kreißsaal zu warten. Da war ich schon ziemlich verzweifelt. Ich dachte nicht, dass da die Anna schon kommt, aber ich wollte einfach irgendwelche Hilfe. Der Papa rief die Schwiegereltern an, gab Bescheid, dass wir gleich fertig wären (!! wie Recht er hatte) und machte noch einmal Druck wegen des Kreißsaals, während ich auf dem Boden des Klinikflurs vor einem Rattanstuhl kniete und nicht mehr wusste, wo oben und unten war. Dann rief es plötzlich von links, ich solle in den Kreißsaal kommen, wenn es irgendwie geht und ich nutzte eine Wehenpause. Auf der Geburtsliege angelangt, so gegen 15.45 Uhr, untersuchte mich die Hebamme und stellte fest, was mein Mann schon auf dem Flur festgestellt hatte. "Oh. Wir sind ja gleich fertig. Das Baby kommt." Die nächste Wehe war schon die erste Presswehe und um 16.06 Uhr war sie dann da. Schneller hätte sie nicht kommen dürfen, dann wäre sie wohl im Wintergarten zur Welt gekommen. Das hört sich nett an, aber das ist auch schon alles.
Seit Sonntag sind wir nun zu Hause und lernen uns kennen. Das Mehr an weiblichen Hormonen macht sich im Alltag noch nicht bemerkbar, aber wir sind gespannt und freuen uns wahnsinnig, dass du endlich da bist, liebe Anna.
Mittwoch, 15. Januar 2014
Ich geh dann mal gebären III
Es ist wieder soweit. Die Geschichte, die hier und hier ihren Anfang nahm, erhält morgen ihren dritten Teil, denn auch Anna Christine, benannt übrigens nach ihren beiden Omas, will partout nicht von allein auf die Welt kommen. Nach der Naegele-Regel bin ich heute 11 Tage über den eigentlichen Geburtstermin. Berechnet man nach dem Zeugungstermin, bin ich sogar 13 Tage drüber. Und berechnet man nach meinem Gefühl, hätte vor vier Wochen schon Termin sein dürfen. Aber ich war geduldig und hab mir die Zeit seither mit wehenfördernden Maßnahmen vertrieben. Das ganze Programm, abgesehen von den Abführmitteln, das geht mir einfach zu weit. Die Maßnahmen haben alles Mögliche gefördert, nur eben keine Wehen und Anna hat sich erst recht nicht davon beeindrucken lassen. Sie ist einfach in Ruhe weiter gewachsen, hat sicher nochmal um die 300 g zugelegt und liegt jetzt schätzungsweise bei 4,2 kg.
Ich hatte große Hoffnungen, dass es diesmal von alleine losgehen würde und ich endlich mal in den Genuss einer natürlich losgehenden Geburt kommen würde. Ich hatte Vorstellungen von platzenden Fruchtblasen in Supermärkten, nächtlichem Aufwachen mit Hammerwehen und Sturzgeburten im Auto. Nichts davon ist eingetreten. In den vielen CTG's der letzten Wochen ist es uns gelungen, genau eine einzige Wehe aufzuzeichnen und die hatte ungefähr die Schmerzausprägung einer etwas unangenehmeren Blähung, deshalb...
liebe Anna,
habe ich heute aufgegeben und beschlossen, auch dir - so wie schon deinen Brüdern - einen Schubs zu geben. Morgen haben wir beide also einen Geburtstermin - um 8 geht's los. Sei mir nicht böse deswegen und reg dich morgen nicht so auf, wenn der Spaß losgeht. Komm einfach raus, hier ises auch schön. Das Essen ist abwechslungsreicher, das Unterhaltungsprogramm spannender und die sozialen Beziehungen vielfältiger. Kuschelig wird es auch hier draußen irgendwie, auch wenn gerade Januar ist. Morgen sehen wir uns. Ich freu mich.
Donnerstag, 9. Januar 2014
Konsequenz ist wie Arbeit
Heute Morgen gab es wieder eine schöne Lehrstunde in Sachen Konsequenz. Der Papa wirft in diesem Haushalt der Mama immer mal wieder vor, nicht genug konsequent zu sein und er hat vielleicht nicht ganz Unrecht. Aus diesem Grund halten sich Einzelexemplare unserer Söhne tatsächlich lieber an mich. Unter anderem Paul. Heute Morgen beim Wegbringen aber hatte er keine Chance. Da war ich ganz auf Papas Seite und wie wir später feststellen sollten, waren das auch noch andere, zumindest was die Theorie angeht.
Paul darf morgens immer, gesetzt den Fall, dass er darum bittet, den Knopf des Autoschlüssels drücken, um Papas Auto zu öffnen. "Kérem szépen a kulcsot", ist alles, was der Papa dazu hören will (Frei übersetzt: "Ich möchte bitte den Schlüssel haben!"). Paul war noch nie gerne Papagei, aber mittlerweile hat er verstanden, dass er bestimmte Dinge einfach sagen muss, damit sich eigene Wünsche erfüllen. Und so sagt er in 90% der Fälle auch die richtigen Zauberworte. Heute Morgen hat er nichts gesagt. Der Papa wiederum hat nicht gefragt. Er hat einfach das Auto aufgemacht. Damit nahm die pädagogische Übungsstunde ihren Anfang. Paul wurde hysterisch: "kulcs, kulcs, kulcs" rief er weinerlich und der Papa machte das Auto wieder zu, entschuldigte sich für seine Unaufmerksamkeit und wies ihn darauf hin, dass er das Auto aufmachen könnte, wenn er "kérem szépen" sagt. Da gab es aber ein Problem: Paul war beleidigt, weil das Auto ja schon aufgemacht war. Denn Paul wollte ja nicht Autoaufmachen üben, er wollte die echte Verantwortung für das Öffnen der Türen haben. Dieses Auto war allerdings für ihn in dem Moment abgefahren, als der Papa den Knopf gedrückt hatte, auch wenn das Auto immernoch dort stand und inzwischen längst wieder zu war. Er jammerte und schluchzte und erhielt noch verschiedene Gelegenheiten den Schlüssel doch noch zu bedienen ("kérem szépen Paul! kérem szépen!"), aber er wollte nicht mehr und rief stattdessen immer "kulcs,....wähhhhhhhh". Am Kindergarten angekommen erhielt er nochmal die Gelegenheit, um den Schlüssel zu bitten, schlug aber auch dort unter lautem Protest aus.
Im Kindergarten selbst hielt das Drama bis zur kindlichen Übergabe an die Erzieherin an und so musste der Papa sich erklären und die Szene übersetzen. Er erklärte die Situation und die Erzieherin stimmte ihm sofort fachfraulich zu: "Ahhh.....Konsequenz! Das ist wichtig! Das find ich gut!" Sie sagte, dass sie völlig auf seiner Seite wäre und wie wichtig Konsequenz in der Erziehung sei. Sprach's, verabschiedete den Papa und gab Paul ihr eigenes Schlüsselbund, damit der nicht mehr so traurig sei. Der Papa verabschiedete sich von Paul, der ihn frech grinsend mit den Worten im Gesicht ansah: "Die versteht mich. Geh du nur!"
Konsequenz, sagt der Papa, der sich ein bisschen veräppelt vorkam, ist eben ein bisschen wie Arbeit. Wunderschöne Sache das. Am schönsten aber wohl offenbar, wenn sich darum andere kümmern.
Mittwoch, 8. Januar 2014
Warten auf die Primzahl
Heute ist der 8. Januar 2014. Meine Steuererklärung für 2013 habe ich noch nicht fertig und den Boden des Wäschekorbs sehe ich auch noch nicht (es fehlen allerdings nur noch zwei Ladungen!). Auf den Schränken müsste ich mal wieder Staub wischen und die Weihnachtssachen müssen auch noch in den Keller gebracht werden. Ansonsten aber wäre ich soweit. Echt jetzt. Den letzten Vorsorgetermin bei der Frauenärztin habe ich schon nur noch "sicherheitshalber" bekommen. Die Damen in der Praxis wollten mich nicht mehr sehen, vor allem weil ich ihren Terminkalender jetzt dreimal in der Woche zusätzlich belaste. Schon der Termin am 2.1.2014 (drei Tage vor meinem errechneten Geburtstermin war ihrer Meinung nach nur pro forma. Nun - so kann man sich irren. Manche Kinder legen eben viel Wert auf die Form, meine offenbar alle. Heute, am 8.1., nach 283 Tagen Schwangerschaft, sitze ich immernoch rum und es rührt sich nix. Vielleicht ist das der Grund. Ich sitze zu viel.
Von allen Seiten drängen die Fragen: "Und? Rührt sich was?" - "Und tut sich nix?" - "Immernoch keine Wehen?" - "Nicht mal ein paar kleine?"
Bevorzugte Geburtstermine im Bekanntenkreis, die bereits verstrichen sind, waren... der 31.12., weil man dann wenigstens sicher sein könnte, dass der Sprössling immer einen Partytermin am Geburtstag hätte und der 1.1.2014, weil er wenigstens im neuen Jahr liegt und die Kinder dann 2010, 2012 und 2014 geboren wären. Mein bevorzugter Termin war jeder beliebige Tag in den letzten drei Wochen. Ich bin da nicht so.
Seit wir uns im Jahr 2014 befinden, ist es dem Papa eigentlich egal. Uneigentlich wünscht er sich einen Primzahlengeburtstag, da die beiden großen Brüder auch im Besitz solcher sind (abgesehen von den Jahreszahlen). Das schließt heute aus und setzt eine weitere Wartezeit bis mindestens Samstag voraus. Danach wieder Montag und dann erst wieder am 17. Liebe Anna Christine, such dir einen Tag aus. Ich bin für Samstag. Heute wäre ich aber auch noch frei. Primzahl hin oder her.
Seit wir uns im Jahr 2014 befinden, ist es dem Papa eigentlich egal. Uneigentlich wünscht er sich einen Primzahlengeburtstag, da die beiden großen Brüder auch im Besitz solcher sind (abgesehen von den Jahreszahlen). Das schließt heute aus und setzt eine weitere Wartezeit bis mindestens Samstag voraus. Danach wieder Montag und dann erst wieder am 17. Liebe Anna Christine, such dir einen Tag aus. Ich bin für Samstag. Heute wäre ich aber auch noch frei. Primzahl hin oder her.
Sonntag, 5. Januar 2014
Geburtstag und Geburtstermin
Heute ist ein großer Tag. Moritz hat Geburtstag und seine kleine Schwester Anna Tine hat Geburtstermin. Moritz' Geburtstag begann sehr schön mit einem Ausflug ins Schwimmbad. Im Vergleich zu dem Ausflug im letzten Jahr, war er sicher in diesem Jahr zufriedener mit dem Programmangebot. Ich bin zu Haus geblieben, die 70 km bis zum Schwimmbad waren mir zu riskant. Am Ende hätte der Ausflug dann doch noch im Krankenhaus geendet. Das wollen wir doch nicht. Jedenfalls nicht so. Gestern habe ich noch für den Moritz eine Geburtstagstorte gebacken, zusammen mit dem Papa, die gleiche, die ich schon für Pauls letzten Geburtstag gebacken habe, aber dann gar nicht selbst gegessen habe, weil sie in der Krippe gemampft wurde. Für Moritz ist es nicht der kleine blaue Elefant geworden, sondern sein Kumpel oder seine Kumpeline (ist die Maus weiblich?), die Maus. Inzwischen ist diese Motivtorte auch mal richtig angebracht, denn unsere Kinder haben sich zwischenzeitlich zu richtigen "Maus und Elefant"-Junkies entwickelt. In den Weihnachtsferien haben wir sie auf kalten Entzug gesetzt und jetzt machen wir heute mit dieser Torte alles kaputt:
Heute Nachmittag kommt Besuch und dann schrubben wir die weg. Mal sehen, ob der Junge vor Ehrfurcht erstarrt, sofort den Laptop verlangt für ein gescheites "Maus-und-Elefant"-Video oder ob er einfach losstopft.
In diesem Jahr sind wir mit den Geschenken sehr bescheiden und zurückhaltend. Wir sind elterntechnisch hier endlich erwachsen geworden. So gibt es einen Radlader aus Holz und dazu ganz viel Liebe in großen Portionen.
Lieber Moritz,
zu deinem Geburtstag wünsche ich dir alles Liebe und hoffe, du hast einen wunderschönen - leider sehr grauen, was das Wetter angeht, Tag. Es freut mich sehr, dass ich ihn mit dir verbringen kann und nicht ausgerechnet heute im Krankenhaus bin. Vielleicht ist das schon dein erstes Geburtstagsgeschenk deiner kleinen Schwester, die nämlich genau heute Geburtstermin hat und offenbar darauf verzichtet, diesen Termin wahrzunehmen. Genau wie du und dein Bruder hält sie sich scheinbar nicht gern an Termine und rührt sich nicht. Vielleicht will sie aber auch bloß noch schnell von der Torte kosten und macht sich dann auf den Weg. Da wir in letzter Zeit sehr viel Zeit miteinander verbringen, um dich zum Einschlafen zu bringen (täglich mitunter zwei Stunden, warum auch immer, dazu schreibe ich noch), habe ich weniger Zeit für den Blog und für das Festhalten unserer gemeinsamen Abenteuer. Aber ich hole das sicher nach, wenn wir hier einen Strategiewechsel beim Einschlafprogramm vornehmen oder du dich entscheiden solltest, mal wieder allein einzuschlafen. Im Herzen sind alle diese Dinge sowieso und das ist wohl das Wichtigste. Bis gleich zum Kuchenfressen. (Gerade bist du eingeschlafen nach 1 Stunde Protest).
Abonnieren
Posts (Atom)

