Paul geht nächste Woche auf seine erste große Reise. Verglichen mit den Reisen, die er bis jetzt so gemacht hat (einstündige Spaziergänge in Pestzentlőrinc, dem 18. Bezirk von Budapest), muss die Fahrt mit dem Auto nach Deutschland ihm wie eine Reise zum Mond erscheinen. Aber ich wollte ja von hinten anfangen, also nicht über die Reise berichten, sondern über den Ausflug zum Fotografen.
Bei der Reiseorganisation fiel mir auf, bzw. nicht mir, sondern einem weisen Herrn auf der deutschen Botschaft, dass Paul, ein Kind des 21. Jahrhunderts, nicht einfach so, ohne Reisepass verreisen kann. Genauer gesagt, fiel uns beim Gespräch auf, dass er noch überhaupt kein Ausweisdokument besaß. Weiterhin fiel uns, bzw. das fiel wieder dem weisen Herrn auf, dass Paul auf Grund der Besonderheit seines Daseins, das sich durch Binationalität (und natürlich durch viele andere Dinge, die hier aber nichts zur Sache tun) auszeichnet, nicht nur ein Ausweisdokument, sondern eigentlich gleich zwei bräuchte: Der ungarische Paul braucht einen ungarischen Ausweis, der deutsche Paul braucht einen deutschen Ausweis, wenn er in Deutschland ist. Das sind ganz schön viele Ausweise, lieber Paul, dafür, dass wir bis vorgestern noch völlig identitätslos vor uns hin gelebt haben.
So, und da in Zeiten des Terrors auch Kinder unter 12 Jahren eine Gefahr darstellen können, müssen neuerdings auch Babys einen Kinderreisepass haben mit einem biometrischen Foto. Bei Babys wird das angeblich nicht ganz so genau genommen mit dem "neutral schauen", allerdings so genau, dass der weise Herr in der Botschaft mir einen Fotograf in Budapest
Früher standen Kinder einfach eine Weile namentlich erwähnt im Ausweis der Mutter, sowohl in Ungarn als auch in Deutschland. Moderne Babys brauchen einen Identitätsnachweis, der nicht so altbacken daher kommt. Ab morgen hast auch du einen solchen Paul!
Und hier das Foto:

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